Sonntag, 21. Juni 2026

Tanja Pianta

Fachärztin für Innere Medizin, Geriatrie und Palliativmedizin
Oberärztin in einer geriatrischen Klinik

Wie ich wurde, was ich bin

Als ich im Studium die Palliativmedizin kennenlernte, hatte ich sofort das Gefühl, dort genau richtig zu sein. Hier steht der Mensch mit all seinen Bedürfnissen im Mittelpunkt, und die Vielfalt des Teams ermöglicht es, für jede Patientin und jeden Patienten die individuell beste Begleitung und Behandlung zu finden.

Besonders prägend war für mich das Mildred-Scheel-Haus an der Uniklinik Köln mit Jan Gärtner als mein Mentor. Er nahm sich viel Zeit für meine Ausbildung und bestärkte mich in meiner Leidenschaft, Menschen in einer so wichtigen Lebensphase mit Wärme, Kompetenz und Herzlichkeit Halt zu geben.

Warum ich wurde, was ich bin

Warum ich Ärztin werden wollte, kann ich gar nicht sagen – dieser Wunsch war seit meiner Jugend einfach da. Ich habe ihn nie hinterfragt oder eine andere berufliche Richtung in Betracht gezogen. Mir war wichtig, als Ärztin Menschen nicht nur medizinisch zu behandeln, sondern sie in ihrer Gesamtheit wahrzunehmen.

Wie meine erste Begegnung mit Sterben und Tod für mich war und wie mich die Beschäftigung damit in meinem Leben beeinflusst

Um mein Studium zu finanzieren habe ich gerne als Pflegehelferin gearbeitet. Hier habe ich die ersten Menschen beim Sterben begleiten dürfen. So private Momente, in denen ich auch als Fremde, als Aushilfe in der Pflege, mit zugewandter Präsens schon ohne jedes Wissen so viel Gutes anbieten konnte. In den Momenten waren mir die Sterbenden und auch die anwesenden Familienmitglieder so nahe.

Ich war dankbar für ihr Vertrauen und erhielt viel Dank für meine fürsorgliche Anteilnahme. In meiner Studienzeit starb meine Mutter nach kurzer Krankheit und ich konnte selbst erfahren, wie wichtig Begleiter im Krankenhaus waren, die mir als Tochter Sicherheit gaben für sie die richtigen Entscheidungen zu treffen.