Carola Grünberger

Klinische Linguistin (M.A.), Dozentin

Warum ich wurde, was ich bin

Ich komme aus einer Arbeiterfamilie in einer schwäbischen Kleinstadt. Das Abitur durfte ich machen, aber danach gab es keine Kompromisse mehr. Ich sollte eine kaufmännische Ausbildung machen. So wurde ich Werbekauffrau und arbeitete 6 Jahre lang in der Mediaplanung. Mehr und mehr stellte ich mir jedoch die Sinnfrage? Was tue ich hier den ganzen Tag? Stillstand? Mit Mitte 20 nahm ich all meinen Mut zusammen, zog nach Freiburg und studierte deutsche und englische Philologie. Eher zufällig schnupperte ich innerhalb der Neurolinguistik in ein Seminar über „erworbene Schriftsprachstörungen“ und hatte fortan meine Berufung gefunden – die Sprachpathologie/-therapie sollte es werden!

Wie ich wurde, was ich bin

Nach einem Jahr Auslandsaufenthalt in England und einem Master-Abschluss in „Applied Linguistics, führten mich, zurück in Deutschland, Stationen im Akutkrankenhaus und in der neurologischen Reha in die ambulante therapeutische Tätigkeit. Im Moment arbeite ich in einer logopädischen Praxis in Bamberg, therapiere und berate schwerpunktmäßig PatientInnen mit neurologischen Erkrankungen und mit Kopf-Hals-Tumoren. Ergänzend unterrichte ich an der FAU Erlangen im Studiengang „Logopädie.

Zunehmend beschäftigt mich im Kontext meiner täglichen Arbeit die Frage, wie die Logopädie bei lebenslimitierenden Erkrankungen Betroffenen und ihren Angehörigen helfen, wie sie unterstützen und entlasten kann. Wie können Kommunikation, Nahrungsaufnahme/Geschmackserleben und Mundwohlbefinden weiterhin nicht nur ermöglicht, sondern individuell gut gestaltet werden? An der Palliativakademie nahm ich an der Weiterbildung „Palliative Care für Ergotherapie-Logopädie-Physiotherapie“ teil und inzwischen unterrichte ich selbst als Dozentin. Ich möchte alle im Palliativ-Setting beteiligten Disziplinen für die Palliative Logopädie sensibilisieren!

Wie meine erste Begegnung mit Sterben und Tod für mich war und wie mich die Beschäftigung damit in meinem Leben beeinflusst

Meine erste Begegnung mit Tod und Sterben war der Blick in den Sarg meines Opas mit ca. 7 Jahren. Es gab keine Begleitung, kein Auffangen, viel Schweigen. – Erst viele Jahre später wurde es wieder zu einer guten Erfahrung, mich am offenen Sarg von einem geliebten Menschen zu verabschieden. Die prägendste Begegnung mit dem Sterben war jedoch der Tod meines Vaters. Von einem gänzlich unerwarteten sehr schweren Schlaganfall erholte er sich nicht mehr. Ich war nicht nur als Tochter, sondern auch als Sprachtherapeutin betroffen, was mich völlig aus der Bahn warf. Heute hilft mir diese Erfahrung bei meiner Begleitung von PatientInnen und Angehörigen im Palliativkontext und – meine Mutter, mein Bruder und ich sind stärker miteinander verbunden denn je …