Samstag, 8. August 2026

Eva Förtsch

Diplom-Psychologin, Dozentin Palliativtalk im Hain

Warum ich wurde, was ich bin

Schon immer konnte ich nicht nur das Gesagte hören, sondern hatte auch ein feines Gespür für das Nonverbale, die Körpersprache, die Spannung im Raum und die kleinen Signale, die oft mehr erzählen als Worte. Denn ich nehme Stimmungen und Intentionen wahr, bevor sie ausgesprochen werden.

Mich hat deshalb sehr früh beschäftigt, was Menschen innerlich bewegt: Warum sie schweigen, obwohl etwas spürbar ist; warum ein Satz entlasten kann und ein anderer verletzt; wie sie agieren, wenn sie belastet sind.

Wie ich wurde, was ich bin

Deshalb war es für mich später eine logische Konsequenz, Psychologie zu studieren. So bekam diese intuitive Wahrnehmung ein fachliches Fundament.

Dabei ist mir ein ganzheitlicher Blick auf den Menschen in meiner Arbeit wichtig, Denn alles wird nicht nur im Kopf verarbeitet und rationalisiert, sondern zeigt sich auch im Körper und in der Verarbeitung von Emotionen (E-Motion = Energie in Bewegung!).

Heute verbinde ich beides: psychologisches Fachwissen und ein sehr genaues Gespür für das, was in belastenden Situationen zwischen Menschen geschieht. Dabei habe ich zwei berufliche Säulen: Palliativarbeit und Führungskräfte-Coaching: Das Navigieren durch Drucksituationen, die gemeistert werden dürfen.

Die Beschäftigung mit Palliativpsychologie hat mein Leben lebendiger gemacht. Sie erinnert mich daran, worauf es in Begegnungen wirklich ankommt: Würde, Ehrlichkeit, Mitgefühl, Orientierung und Halt in einer schier haltlosen Situation.

Meine ersten Begegnungen mit Sterben und Tod

Der Tod kam als Kind unvermittelt, und zwar vier Mal innerhalb von zwei Jahren. Diese Plötzlichkeit hatte Wucht. Es gab für mich keinerlei Vorbereitung, keinen geordneten Abschied, kein mich-drauf-einstellen können. Von einem Moment auf den anderen waren die Menschen für mich nicht mehr da. Nur für mich, die Erwachsenen konnten sich drauf einstellen.

Diese Erfahrung hat sich tief eingeprägt. Kinder nehmen oft mehr wahr, als ihnen zugetraut wird. Und Schweigen schützt nicht automatisch.

Heute sehe ich darin eine wichtige palliative Frage: Wie sprechen wir über Sterben, ohne zu überfordern? Wie bereiten wir auf das Endgültige vor? Wie geben wir Orientierung, wenn eine Situation schwer auszuhalten ist?

In meiner Arbeit als Dozentin für Palliative Care möchte ich genau dafür sensibilisieren: Für eine Haltung, die schwer kranke und sterbende Menschen sowie ihre Angehörigen so begleitet, dass sie sich gesehen, gehalten und geachtet fühlen.