Meine erste Begegnung mit Sterben und Tod
Meine erste bewusste Begegnung mit dem Sterben hatte ich als Pflegepraktikant auf einer kardiologischen Station. Über Wochen hinweg betreute ich einen alten Mann – keine komplexe Pflege, eher einfache geriatrische Begleitung. Genau das Richtige für meinen damaligen Stand.
Ich wusste, dass er nicht mehr reanimiert werden sollte.
Eines Tages saß ich bei ihm, als sich etwas veränderte. Sein Blick, seine Atmung – ich konnte es nicht erklären, aber ich spürte: Jetzt geschieht etwas Entscheidendes. Ich rief eine Kollegin. Kurz darauf kamen weitere Pflegekräfte und zwei Ärzte ins Zimmer. Für sie war es eine vertraute Situation. Für mich stand die Zeit still.
Er hatte bereits Schnappatmung.
Und inmitten all dieser Menschen traf mich etwas tief: das Gefühl seines Alleinseins. Ich trat nach vorne, setzte mich zu ihm und nahm seine Hand. Mehr konnte ich nicht tun – aber ich konnte ihn nicht allein lassen.
So starb er unter meinen Händen.
Diese Erfahrung hat mich tief geprägt. Noch Monate danach hatte ich das Gefühl, die Welt aus einer anderen Perspektive zu betrachten – als würde ich sie von außen sehen. Viele Dinge verloren an Bedeutung, Sorgen wurden klein. Gleichzeitig wurde mir die Kostbarkeit der Zeit, die wir haben, zum ersten Mal wirklich bewusst.
Ich erinnere mich noch an einen Gedanken, der damals in mir aufstieg:
Vergiss dieses Gefühl nie.
Und vielleicht ist genau das bis heute ein Teil meiner Arbeit geblieben.